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Berthold Auerbach.

»Einst fast eine Weltberühmtheit« Eine Collage

Hermann Kinder

2011, 296 Seiten und zwölf sw-Abbildungen, geb. mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN 978-3-86351-005-3

€ (D) 22,– / (A) 22,70 *

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Berthold Auerbach, der Autor, hinter dessen Namen Leo Tolstoi fünfzehn (!) Ausrufezeichen setzte.

Berthold Auerbach, eigentlich Moses Baruch Auerbacher, 1812 in Horb-Nordstetten im Schwarzwald geboren und 1882 in Cannes gestorben, wurde wie Goethe, Herder, Hölderlin, Kleist, Jean Paul und Schiller vom »großen« Cotta, also vom »König der Verleger« verlegt und war wohl der international bekannteste deutsche Erzähler des 19. Jahrhunderts. Auerbach propagierte einen neuen europäischen Realismus und verdankte seinen Ruhm insbesondere seinen »Schwarzwälder Dorfgeschichten«, sie wurden gelesen und übersetzt in England, Frankreich, Holland, Schweden, in Polen und in den USA. Tolstoi besuchte ihn, mit Turgenjew war er befreundet – und Mark Twain schaute mit seinem Blick auf Deutschland.

Berthold Auerbachs Briefe an seinen Namensvetter Jakob sind ein einmaliges Zeugnis für die politischen, ideologischen und psychischen Probleme des deutschen 19. Jahrhunderts. Auerbach, der »jüdisch geborene Deutsche«, musste am Ende seines Lebens das Scheitern aller humanistischen Hoffnungen und die Wiederkehr eines unversöhnlichen Antisemitismus miterleben.

In unserer Zeit ist Berhold Auerbach nahezu vergessen. Hermann Kinder, von Auerbach fasziniert, hat die ursprünglich annähernd 900 Seiten füllenden Briefe collagiert, pointiert nacherzählt und mit einem Kommentar ergänzt, der als kleine Einführung ins deutsche 19. Jahrhundert zu lesen ist.
 
 
Ein paar Zeilen zur Probe:
 
»Heute kam uns athemlos eine Frau nach und rief in fremdländischem Ton: Ist es möglich, daß Sie Berthold Auerbach sind? Es stellte sich heraus, daß sie eine Polin, Frau v. Czaky, die mein Barfüßele polnisch übersetzt hat, und ihre Begeisterung war über alle Maßen.« Berthold Auerbach, Karlsbad, den 23. Mai 1870
 
Ein paar Zeilen über Auerbach:
 
»Berthold Auerbach feiert hier (in Dresden) wahre Triumphe, er hat einen ungemeinen succès, seine kleineGestalt ist längst vergessen, die Herren tragen ihn auf Händen. Die Damen schwärmen für ihn. Das ist auch ganz natürlich, denn er ist wirklich einer der liebenswürdigsten Menschen, die mir je begegnet sind.« Theodor von Bernhardi, Historiker, der Neffe Ludwig Tiecks
 
»Berthold Auerbach, in fernen Tagen wird Dein Name über manche Lippen gehen, die in warmem Gespräche Dich nennen und ehren und rühmen. Du bist sterbend nicht gestorben. Leb wohl, Todter, sei gegrüßt, Lebendiger!« Friedrich Theodor Vischer, in seiner Grabrede, 1882
 
»Man fragte mich neulich, ob man wohl wieder Berthold Auerbach lesen werde. Ich sagte: bestimmt in einiger Zeit. Es gibt auch in der Literatur eine Zone des Schweigens. Gehört wird, was weiter rückwärts und weiter vorwärts liegt ...« Viktor Klemperer, 1921, in seinen Tagebuchnotizen

»Interessant ist die Begeisterung der großen Russen für den radikalliberalen deutsch-jüdischen Schriftsteller Berthold Auerbach – berühmt ist die Tagebuchnotiz Tolstois mit fünfzehn Ausrufezeichen hinter dessen Namen –, seine volksaufklärerischen Gedanken und seine ›Dorfgeschichten‹.« Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung

Das Buch in der Kritik:

»Soviel Auerbach auch umzog und reiste - er starb 1882 währned einer Kur an der Côte d'Azur -, immer wieder kehrte er in seinen Büchern nach Nordstetten zurück. Ein Kosmos, den man jetzt wieder neu entdecken kann in einer Auswahl des Verlags Klöpfer & Meyer - wo auch ein wunderbares Lebensbild Auerbachs erschienen ist, das der Schriftsteller Hermmann Kinder aus Briefen collagiert hat.« Benedikt Erenz, Die Zeit
 
»Daheim im Herzen des Volkes: Hermann Kinder hat eine eindrucksvolle Biografie über den Dichter Berthold Auerbach (1812-1882) geschrieben. Ein kluges und originelles Buch, gut geschrieben, spannend, perspektivenreich. Nur: Heute kennt niemand mehr Berthold Auerbach. Der Wendepunkt liegt in der Wirkungsgeschichte, in der Kontaminierung von Begriffen durch den Nationalsozialismus. Und in der Schwierigkeit, heute dazu eine unverfängliche Position zu beziehen.« Schwäbische Zeitung
 
»Ein vielschichtiges Panorama der Zeit zwischen 1830 und 1882. Kinder, ›Intimus in Bewunderung und auch Reserve‹, wie er im Nachwort der im zweiten Teil mit vielen hilfreichen Fußnoten gespickten Dialogcollage gesteht, gelingt ein eindringliches Porträt eines widersprüchlichen und ungemein fleißigen Autors. In Kinders feinfühliger Dialogcollage ersteht ein „kämpfender Humanist, Liberaler, Demokrat“ mit all seinen Eitelkeiten, aber auch ein Autor mit einem großen Herzen. Vor allem aber erinnert der intensive Porträtist Kinder in der ihm eigenen, leisen, poetischen Art an einen ›der klügsten, intensivsten Beobachter des deutschen 19. Jahrhunderts‹.« Anton Philipp Knittel, Literaturkritik
 
»Hermann Kinders Textcollage ist von Sympathie für Auerbach getragen, ohne dass dabei ein einseitiges Bild dieses Autors entsteht. Das Erstaunliche und Erhellende, die Schönheit dieser Textcollage liegt in der Vielstimmigkeit, die herzustellen Kinders Verdienst ist. Nähe und Distanz, Auerbachs Aufmerksamkeit für Politik und Vogelgezwitscher; subjektives historisches Zeugnis und literatur- und sozialwissenschaftliche Fakten werden hier balanciert. Und diese Balance wird keiner, der die Literatur Hermann Kinders kennt, mit dem Bild einer majestätisch stillstehenden Waage verbinden. Briefe, Paraphrasen, Kommentare, Anmerkungen, Nachwort: Vielleicht sollte man hier nicht von einer Textcollage, sondern von einem Mobile sprechen, von einem Experiment mit verschiedenen Textbewegungen, die miteinander ein weitreichendes, schwingendes Ganzes bilden.« Frankfurter Rundschau
 
Tübingens Klöpfer & Meyer Verlag spielt eine rühmliche Rolle bei der Vorbereitung einer möglichen (und allemal wünschenswerten) Auerbach-Renaissance. Und zwar, indem er ein großartiges Buch zum Thema herausbringt. Kinders gründliche und fußnotensatte Auerbach-Aufarbeitung ist aller Ehren wert. Sie versucht den in Vergessenheit geratenen Romancier zumindest als ›„kämpfenden Humanisten, Liberalen, Demokraten‹ ins Bewusstsein zurück zu holen. Aber auch als ›jüdische geborenen Deutschen‹, der lange ›auf die Versöhnung von Juden und Deutschen fest vertraute.‹« Schwäbisches Tagblatt
 
»Den Epochenbrüchen hielt Auerbachs Werk nicht stand, dessen dominante Elemente Erbauung und Erziehung uns heute schwer erträglich sind. So sieht es der Konstanzer Germanist und Schriftsteller Hermann Kinder, für den Auerbach, beginnend mit seiner Dissertation von 1973, lebensbegleitend wurde. Denn in den Briefen Auerbachs an seinen Namensvetter Jakob (mit dem Dichter nicht verwandt) erkennt Kinder ›eines der aufschlussreichsten, sensibelsten, intimsten und eloquentesten Dokumente‹ seiner Zeit; sie gelten ihm als exemplarisch ›für die Hoffnungen und Niederlagen dieses Umbruch-Jahrhunderts‹.« Badische Zeitung
 
»Eine lehrreiche, staunenswerte Collage. Aus den Briefen Auerbachs ist immer wieder der sensible Skeptiker zu erkennen, selbstkritisch und widersprüchlich.« Schwarzwälder Bote
 
»Kinders Auerbach-Collage hat ihren ganz eigenen literarischen Wert; man liest sie sozusagen mit den Ohren: Einmal hört man einen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts sprechen - und darüber hinaus taucht man in eine Sprachwelt ein, die herzustellen Kinders Verdienst ist.« Deutschlandradio
 
»Kinders Auerbach will uns vor allem als ein Mann der Widersprüche, wenn nicht als Zerrissener erscheinen. Der Geburtsschwabe und Gefühlsbadener war, so sehr er sich in die Kämpfe seiner Zeit einband, im Grunde ein Idylliker. Er führte ein rastloss Leben, sah sich von ›Gesellschaftsansprüchen ganz zersaust‹, bedauerte, sich als Zeitungsleser ›schon am Morgen das ganze Gewirre der Welt durch die Seele poltern zu lassen‹ und litt unter dem ›deutschen Elend‹, dem er durch seine pädagogisch-sittlichen Romane steuern wollte.« Südkurier
 
»Wie Hermann Kinder mit den Dokumenten zu Auerbachs Leben und Werk umgeht, ist ungewöhnlich, gewagt und bewundernswert. Sein Buch ist keine Biografie, auch keine in Erzählform, und bleibt doch kein Detail schuldig; es ist erst recht keine kommentierte, auf kluge Auswahl bedachte Briefedition. Germanistischen Penibilitätsansprüchen verweigert es sich ebenso souverän wie forcierten Innovationserwartungen. Statt dessen: ein inständiges, behendes, bisweilen zartironisches Parlando, in dem sich die Sätze aus den Briefen Auerbachs und deren fortlaufender Kommentar umspielen, als hätten sie aufeinander gewartet. Hermann Kinder macht auf leichte Weise ernst mit einer Haltung, die Adorno und Horkheimer in ihrer ›Dialektik der Aufklärung‹ empfehlen und die sie ›mimetisches Verhalten‹ nennen. Dessen Absicht ist es, Perspektiven herzustellen ohne ›Willkür und Gewalt, ganz aus der Fühlung mit den Gegenständen heraus‹. Zu lesen, wie dies hier gelingt, ist ein seltenes Glück.« Konkret, »Buch des Monats«
 
»Auf 150 Seiten – weitere 130 umfassen die nicht minder aufschlussreichen Anmerkungen – ergibt sich ein komplexes Selbstbildnis Auerbachs: eines von Anfang an Zweifelnden (1840: ›Ich werde mich durch Freud und Leid schleppen und am Ende sterben‹), eines Erfolgreichen (1845, nach Erscheinen der ›Dorfgeschichten‹: ›Ich war mein Lebtag nicht so wohlauf wie jetzt‹), eines Liebenden (1846: ›Mein ganzes Herz lebt in Auguste‹) und eines Familienvaters (1849: ›Meine gute Nina lebt sich von Tag zu Tag mehr in mein Wesen ein‹), eines Revolutionsanhängers (1848 in Wien: ›ein großes Stück Weltgeschichte erlebt‹), eines Juden (1869 zieht es ihn nach Gernsbach, ›ein Städtchen, das auch eine jüdische Gemeinde hat‹) und eines Patrioten (1878: ›Für wen arbeitet man sein Leben lang mit allem Denken und Sinnen? Für sein deutsches Volk‹). Ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit schöpfen diese Schilderungen aus der Tatsache, dass Auerbach sie nicht an die Öffentlichkeit gerichtet hat, sondern an den Freund. Und der Kinder-Kniff, die Originalaussagen in einen Gesamttext zu integrieren, erleichtert es dem Leser, die politischen und persönlichen Befindlichkeiten Auerbachs nachzuvollziehen und darüber hinaus das historische Umfeld zu begreifen.« Südwest Presse (Horb)
 
»Das Buch ist nicht nur lesenswert, sondern auch im besten Sinn lesbar.« Germanistik


Nachrichten über "Berthold Auerbach.":



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