Das Buch...

...in der Kritik
...als Leseprobe

Cover zum Download

Hegel & Hegel oder Der Geist des Weines.

Erzählung

Otto A. Böhmer

2011, 152 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-86351-017-6

€ (D) 10,00 / (A) 10,30*

In den Warenkorb 


Empfehlen Empfehlen

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 bis 1831) ist eine der interessantesten Figuren der Philosophiegeschichte. Kein anderer Philosoph hat es gewagt, die Welt derart rigoros in Gedanken zu pressen, und bei keinem anderen Philosophen liegt das Großartige so nah am Gemütlichen wie bei Hegel.

Zwei Seelen, könnte man sagen, wohnten in seiner Brust, woraus sich, bedenkt man in diesem Zusammenhang Hegels regelmäßigen und gehörigen Weinkonsum, eine gewagte These ableiten ließe: Es gab Hegel, den Abenteurer des Geistes, und Hegel, den Bürger, der sich im späten Ruhm einhauste und dafür sorgte, dass sein Weinkeller nicht leer wurde.

Otto A. Böhmer erzählt vom Leben und Werk eines Philosophen, der den Zumutungen der Wirklichkeit die List der Vernunft und den Geist des Weines entgegensetzte, was zu Lebzeiten niemand störte, später aber, in zunehmend
ernüchterten Zeiten, Enthüllungsjournalisten auf den Plan rief, die sich daran machten, Hegel (ebenso wie den verehrten Goethe) auf Normalmaß zurückzustutzen. Auch davon wird berichtet.

»Hegel & Hegel« ist kein Buch für Suchtbeauftragte, sondern erinnert an die altehrwürdige Kunst des  metaphysischen Trinkens, die zwar bislang nicht ins Visier der Bedenkenträger geraten ist, sich aber anbietet, schon bald unter gesundheitspolitischen Generalverdacht gestellt zu werden.

»Wenn ich Sie so anschaue, Herr Philosoph«, so hatte es Dr. Schulte-Langen, sein früherer Hausarzt ausgedrückt, »wenn ich Sie so anschaue, Sie hochrühmlicher Mensch, sehe ich Bedenkliches. Ihre Augen stehen hervor, sind gallertartig und trübe. Ihre Hände zittern, Ihr Atem geht unverhältnismäßig schwer. Sagen Sie nichts, es kann
gegen Sie verwendet werden. All Ihre sogenannten Beschwerden, Magendruck, Völlegefühl, saures Aufstoßen, Herzrasen, flagrante Nervosität, bis hin zu Haar- und Zahnausfall und ihre verschiedenen, plötzlich auftretenden Absenzen, haben nur eine Ursache, das Saufen.«
»Ich saufe nicht«, hatte Hegel daraufhin kraftlos erklärt, dabei rumorte doch schon die Wut in ihm, »ich trinke ab und zu ein Glas Wein. Zu den Mahlzeiten, beispielsweise.«
»Zu den Mahlzeiten?!« höhnte der Arzt. »Dann darf Ihre Existenz wohl als eine einzige, langanhaltende Mahlzeit bezeichnet werden. Sie sind, wenn ich das so sagen darf, ein Drei-Liter-Philosoph.«
»Wie bitte?«
»Ich will damit sagen, dass Sie mindestens drei Liter Wein am Tag trinken.«
»Nie und nimmer.«
Der Mann hatte recht, leider, aber er hatte kein Recht, es zu sagen.
»Ich möchte Sie bitten zu gehen«, sagte Hegel. »Und bitte gehen Sie gleich.«
»Sie setzen mich vor die Tür?«
»Es wäre schön, wenn Sie das selbst besorgen könnten.«

Das Buch in der Kritik:

»Auch wer die Philosophie nicht zu seinen Hauptinteressensgebieten zählt, kann sich an diesem Büchlein erfreuen. Denn Otto Böhmer nähert sich sprachgewandt und eindringlich der Person des Stuttgarter Philosophen (1770-1831), bringt ihn ganz nah, teils schmerzlich nah, leidet man doch oft mit dem vom Leben gebeutelten Einzelgänger. In Hegels gedanklicher Rückschau werden Spuren der Kindheit und Schulzeit, der Studienzeit in Tübingen und der Hauslehrertätigkeit aufgearbeitet, wobei der Wein, der zwar beflügelt, aber übermäßig genossen auch zerstört, eine nicht unwichtige Rolle spielt. Reichlich hat der Rebensaft den bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus' durchs Leben begleitet; ob bekömmlich, bleibt offen. Ideen und Einflüsse, Gedankengänge, Begegnungen und philosophische Erklärungen der Welt durch Hegel werden gut ins Biografische eingewoben, allerdings ist das Buch nicht leicht zu lesen, man sollte konzentriert bei der Sache sein, im kunstvollen Umgang mit Sprache geübt. Zu viel Weinseligkeit à la Hegel wäre beim Lesen wohl eher hinderlich.« ekz
 
»Auf Pegel war Hegel erfreulich kregel; wie eine ironische Pointe mutet an, daß der Weintrinker Hegel sein privates Glück bei einer Frau aus der Bier-Dynastie Tucher fand, eine Muse, die später zu Hegels Freude ›im ehelichen Gemach schnarchte, ein anfangs, zu Beginn ihrer gesegneten Verbindung, noch verführerisch anmutendes Geräusch‹, das Hegels Einsamkeit linderte und ihn inspirierte wie der Wein, von dem er trank. Inspiriert zeigt sich auch Otto Böhmer, dessen kenntnisreiche und humorvolle Sicht auf Hegel einen liebenswürdig beschwingten Grundton hat, der dieses kleine bißchen Beschwipstsein verströmt, das dem Geist und der Sprache Flügel verleihen kann.« Wiglaf Droste, Junge Welt
 

»Ein wunderbares Buch über die Gebrechen der Hegelschen Philosophie. Weniger über ihre Größe. Denn warum dieser Hegel in Berlin so berühmt war, obwohl er kaum verständliche Bücher schrieb, warum er so viele Hörer hatte, obgleich er ein grottenschlechter Redner war – darüber spekuliert Böhmer nicht. Leider, aber diese Lücke ist Programm in diesem Buch. Es geht hier nicht um Hegel, den Meisterdenker des Deutschen Idealismus, es geht um den menschlich-allzumenschlichen Hegel, der vom offiziellen Hegel mit Entschlossenheit verdrängt worden ist. Ein Buch mit psychoanalytischem Scharfblick auf Hegels Leben, so witzig wie klug, geschrieben aus einer tiefen Vertrautheit mit seinem Denken. Im Gegensatz zu Hegels verschraubten Texten liest man Otto A. Böhmers Buch in einem Atemzug – und das mit großem Vergnügen.« Susanne Mack, BR ›Diwan‹

 
»Der einst bekannteste deutsche Philosoph tritt hier gedoppelt auf, um solcherart Böhmers These zu verdeutlichen: Bei keinem anderen Denker ›liegt das Großartige, das Gewaltige so nah am Gemütlichen wie bei Hegel‹; es gab also H & H, ›den Abenteurer des Geistes und den Bürger, der sich im Ruhm einhauste und dafür Sorge trug, daß sein Weinkeller nicht leer wurde‹. Der spät zu Lehramt und Ansehen gelangte Philosoph, der aus seiner Betrachtung der Welt und der Weltgeschichte den Schluss zog, dass ›erst die vom Geist durchdrungene Wirklichkeit‹ die ›wahre und vernünftige Wirklichkeit‹ sei, hatte auch eine innige, intensive Beziehung zum Weingeist. ›Über ein Fäßchen Wein freut er sich mehr als über ein schlaues Buch‹, schreibt Böhmer in dieser rhythmisch beschwingten biographischen Etüde, allegro con brio, in einem verführerisch süffigen Stil, altertümliche Eleganz mit modernem Schwung vortragend, visionär-psychologisch, schelmisch-interpretatorisch, begriffssicher aus einem üppigen Bildungsfundus erinnerungsbunte Deutungen ziehend, einschub-, komma- und partizipienreich im Satzbau, den bisweilen so kühne Sprachbilder zieren, wie ›der Himmel über ihnen ein helles, mutwilliges Dach‹ oder ›ein Schattengewächs im Lichthof des Denkens‹. Ein Buch, das man mit einem fröhlichen Prost! aufschlagen sollte.« Wiener Zeitung
 
»Böhmers Erzählung ist ein süffiges Lese- und dialektisches Denkvergnügen. Hegel reimt sich zwar auf Promillepegel, aber nie wird er als bloßer Trunkenbold denunziert. Der Geist des Weines strömt frei aus der Flasche, ›jener allererste enthusiasmierende Beweger, der sein Leben anschob, ein unsichtbarer, unermüdlicher Brandbeschleuniger des Wissens‹. Hegel glaubte, dass wir nicht nur subjektiv denken, sondern dass auch der Weltgeist ins uns denkend zu Bewusstsein kommt. Gleiches ließe sich dann wohl vom Wein sagen: Nicht allein wir trinken, in uns trinkt der Weltweingeist mit.« Schwäbisches Tagblatt
 
»In seiner ebenso lockeren wie mitreißenden Art erzählt Otto A. Böhmer das Leben von ›Hegel und Hegel‹: Der eine Hegel ist der philosophische Geist, der andere der Mensch, also der Geist aus der Flasche. (...) Im Gegensatz zu Hegels Schriften gerät man bei der Lektüre von Böhmers Erzählung in einen starken Sog, der erst vom Leser lässt, wenn er das Buch beendet hat. Die frühen Jahre im Stift zu Tübingen, die Hungerleiderzeit als Hofmeister, eine wenig erbauliche Wanderung durch die Berner Alpen (die erklären soll, weshalb Hegel später der Naturphilosophie nichts abgewinnen konnte) und seine im Geist des Weines durch die Berliner Nacht wabernden Gedanken - all das wird fiktiv, aber hart an den Fakten, von Otto A. Böhmer tragikomisch erzählt. Wir erfahren auch von dem unehelichen Sohn Ludwig aus Jenaer Tagen und der geistigen Umnachtung der Schwester Christiane, die ihr Leben in einer Irrenanstalt beschloss. (...) Ins Literarische umgedreht hat die Hegelsche Philosophie schon Robert Menasse mit seiner Roman-›Trilogie der Entgeisterung‹, der er später noch eine theoretische Unterfütterung in Gestalt der schmalen Schrift ›Phänomenologie der Entgeisterung‹ hinterdrein schickte. Wer das Leben und Denken Hegels aber humorvoll aufbereitet haben möchte, der lese Böhmer.«  Thüringische Landzeitung
 
»Mit Feingefühl für Sprache und Sinn weist das Buch Böhmers ins tiefe Innere des trinkfesten Hegels. Der Schreiber dieser Zeilen behauptet nicht, Hegel jemals einigermaßen verstanden zu haben, konnte sich aber mit Böhmers Bucherfreulich weit an dessen Philosophie anpirschen, ohne Kopfweh zu bekommen. Kann man einem philosophischen Text ein schöneres Kompliment machen? Ich glaube nicht und proste beiden zu, dem Hegel und meinem Zeitgenossen Böhmer.« Vincent Klink, Häuptling Eigener Herd


Nachrichten über "Hegel & Hegel oder Der Geist des Weines.":



* Preis inkl. MwSt., innerhalb Deutschlands liefern wir versandkostenfrei.

19. Juni 2017
Radio Steiermark stellt »Der Mann mit dem Saxofon« vor

18. Juni 2017
»Der Mann mit dem Saxofon« bei SWR2 in der »Buchkritik«

12. Juni 2017
Johannes Schweikles Romanbiografie von Karl Drais im Deutschlandfunk, in der Sächsischer Zeitung, FAS und bei Spiegel online

19. Mai 2017
»Wendepunkte«: Michael Steinbrecher stellt sein »Nachtcafé«-Buch vor

10. Mai 2017
Sibylle Knauss im Deutschlandfunk

Weitere Nachrichten Weitere Nachrichten

Abonnieren Sie unseren Newsletter